Marketing Community Bodensee

Die Generation "Smombie"

19.01.16
Startzeit: 20:00
Endzeit: 21:00

Sind wir nicht alle ein bisschen Smombies?

Tu was du willst, aber: Go online!

Direkt nach der Mitgliederversammlung im Restaurant des Zeppelin Museums in Friedrichshafen, startete der MCB am 19. Januar 2016 in sein attraktives Programm.

Georg Burtscher, Managing Director Russmedia digital, kommt zwar aus Bludenz im schönen bodenständigen und heimatverbundenen Vorarlberg, ist aber dennoch in allen Netzwerken, die die digitale Welt zu bieten hat zu Hause. Anhand des Jugendwortes 2015, dem „Smombie“ führte er die Marketer des MCB und ihre Gäste direkt tief in die neue digitale Weltordnung ein. Der „Smombie“ begegnet uns seit einiger Zeit überall – eine eigene „anerkannte“ Bezeichnung hat er erst seit kurzem: Der „Smombie“ – eine Wortneuschöpfung, die aus einer Mischung aus Smartphone und Zombie besteht, ist nämlich das „Jugendwort des Jahres 2015“.

65 Prozent der Deutschen surfen inzwischen von überall aus mobil mit einem Smartphone. Das muss man wissen, wenn man wissen will, wo sich seine Zielgruppe aufhält. Nämlich ONLINE. Und daher sei es eine absolute Pflicht für jeden Unternehmer, der auch in Zukunft Erfolg haben wolle, dort auch zu sein – eben ONLINE. Und damit man online auch gefunden werde, müsse man sehr aktiv sein. „Der beste Ort um Leichen zu vergraben, ist die Google Seite 2“, erklärte Burtscher. „Denn da geht keiner hin.“ Also müssen die Suchmaschinen gefüttert werden. Und zwar auf allen Kanälen, mit allen möglichen Verlinkungen, Likes, Verfolgern und Freunden, die zu Verfügung stehen.

Autos aus dem Internet

Oder hätte sich jemand vor Jahren träumen lassen, dass ein amerikanischer Präsident (Barak Obama) seinen Wahlkampf online gewinnen könnte, weil er dort die jungen Wähler getroffen hat? Oder dass man Autos im Internet kaufen würde? Die kalifornische Marke „Tesla“ verkauft ihre Autos inzwischen ausschließlich online. Ebenfalls war es vor ein paar Jahren noch unvorstellbar, dass jeder, wirklich jeder im Internet zum Star werden kann. Es gibt inzwischen Blogger oder Youtube-Stars, die allein durch ihre Onlinebeiträge nicht nur zum Star sondern auch noch richtig reich geworden sind. Das Verhalten der „User“ und Anbieter ändert sich immer noch laufend. Inzwischen werden sogar frische Lebensmittel ebenso online geordert, wie Schuhe und Elektronikgeräte.

Jetzt, gleich, sofort

Nun nochmal zu den „Smombies“ die permanent auf ihr Handy schauen. Ganz klar ist, dass das nicht höflich ist, in Gesellschaft anderer. Auch wenn die selbst auch nichts anderes tun. Aber: „Früher hat sich der Vater beim Frühstück eben hinter der Zeitung verkrochen, heute stieren die Kinder auf ihr Smartphone. Jede Information wollen sie sofort haben“, sagt Georg Burtscher. Denn warten sei etwas, was ein „Smombie“ nicht könne. Er will alles sofort – sehen, wissen, verkünden, bestellen. Jetzt. Facebook, Google, Twitter, Youtube, Xing, Linkedin, Instagram und Whatsapp kennt inzwischen jeder. Was es aber an unzähligen weiteren Plattformen und Netzwerken gibt, wie Meerkat, Flickr, Vimeo, Tumblr, Pinterest, Jappy, Badoo und viele mehr, das hat die erfahren Marketer doch teilweise erstaunt.

Wo fängt man an?

Heute ist also alles im Prinzip machbar, jeder kann alles, wenn er es nur tut. Die technischen Möglichkeiten für das neue Marketing sind gegeben – nur, wo fängt man an? Welche Medienkanäle bespielt man? Tatsache sei, so sieht das Georg Burtscher, dass jeder, der nicht mitmacht, der die digitalen Wege verweigert, über kurz oder lang verschwinden wird. Denn das Internet, so vieles sei sicher, „vergeht“ nicht wieder. „Niemand, der erfolgreich sein will, kommt darum herum. Wer ausschließlich am Alten festhält verliert.“ Viele Zeitungen machten diese schmerzhafte Erfahrung bereits.

Ja wo laufen sie denn?

Was allerdings immer gleich bleibe, sei das Ziel. Die Zielgruppe, die ein Marketer nicht aus den Augen verlieren darf, unbedingt kennen muss. Und dabei den Unterscheid begreifen, zwischen der Zielgruppe, die wir haben, und der, die wir wollen. Dazu muss er herausfinden, wer auf welchem Kanal zu finden, erreichbar ist, und wo er nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse sucht – die explizit mein Produkt bietet. Denn die Jugend beispielsweise, halte sich immer dort auf, wo die Eltern nicht sind. So seien auf Facebook inzwischen kaum mehr Jugendliche zu finden, weil ihnen die Eltern dorthin gefolgt sind. Auf Facebook tummeln sich die Erwachsenen 30 + bis hin zu den Bestagern – den Menschen 50 +.Mobilität ist dabei das Maß aller Dinge. Immer. Überall. „Und wir brauchen alle Kanäle. Denn jede Plattform ist mehr denn je bestimmten Zielgruppen vorbehalten.“ All diese Erkenntnisse zeigen also den Weg: Kundendaten sammeln, Blogger werden, sich vernetzen, „Influencer“ finden, virale Botschaften streuen, die sich ohne mein weiteres Zutun vervielfältigen über alle Kanäle hinweg.

Ich habe viel zu zeigen

Was man bei allem bedenken sollte: alles ist sichtbar, und was mal im Internet kursiert, bleibt auch meist dort und macht den Anwender auch ohne NSA transparent. „Aber ich finde das nicht schlimm. Wenn ich nicht transparent sein will, mache ich das alles eben nicht. Ich habe nichts zu verstecken, aber viel zu zeigen“, so Georg Burtscher. Und sein Tipp: „Go online!“ Für seinen Vortrag gibt es viel Applaus, und die Schlussworte des Präsidenten Jürgen Rockstroh bringen das eben Gehörte auf den Punkt: „Das war eine große und wichtige Botschaft. Die Welt bleibt nicht stehen. Das Gefühl, ich müsste mehr darüber wissen und verstehen, habe sicher nicht nur ich. Und ich denke, wir müssen das tun, was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben: neugierig bleiben, uns etwas trauen und auch neue Wege ausprobieren.“

Der Referent

Georg Burtscher, Geschäftsführer für Marketing und Verkauf bei der Russmedia Digital GmbH, widmet der Zielgruppe der „Smombies“ schon länger seine Aufmerksamkeit. Seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen fasste er extrem spritzig und pointiert in einem Vortrag zusammen. Präsident Jürgen Rockstroh, der ihn bereits zuvor erleben durfte, war der Meinung, dass dieser Beitrag ein starker Auftakt zum Programmjahr 2016 ist – womit er absolut Recht behalten hat. Nicht zuletzt, weil das neue Magazin des MCB, das im späten Frühjahr erscheint, sich ebenfalls um das digitale Leben dreht. Georg Burtscher ist seit zehn Jahren bei Russmedia. Seine Karriere begann beim Radio (Antenne Vorarlberg) und seit 2011 leitet zusammen mit Gerold Riedmann den digitalen Bereich bei Russmedia Österreich. Dabei beschäftigt er sich vorrangig mit neuen Geschäftsmodellen und neuen Marketingmöglichkeiten für Unternehmen im digitalen Bereich. Er arbeitet im Fachgruppenausschuss der WKO FG Kommunikation & Werbung und ist Mitglied des Österreichischen Werberats sowie der INMA (Dallas) und der LMA (Chicago).

Die Jugendwort-Gewinner seit 2008

Seit 2008 kürt der Langenscheidt Verlag jedes Jahr ein Jugendwort des Jahres, 2015 geschah dies in Kooperation mit der Zeitschrift „Bravo“, dem Sender „BR Puls“ ,der Jugendzeitung „Yaez“, der ProSieben-Sendung „taff“, dem Bundesverband Junger Medienmacher „Jugendpresse“ und dem Kinderprojekt „Die Arche“. Der „Smombie“ überzeugte die Jury denn, wie Jurorin Ilknur Braun meint, „es beschreibt exakt die heutige Selbstverständlichkeit vieler Menschen im Umgang mit dem Smartphone.“ Den zweiten Platz belegte übrigens „Earthporn“, was so viel bedeutet wie „eine schöne Landschaft“. Der „Swaggetarier“, eine Person, die aus Imagegründen vegetarisch lebt, hat es genau wie der „Discopumper“, also ein Möchtegern oder Macho, und die „Tinderella“, eine exzessive Nutzerin der Dating-Plattform Tinder, unter die Top Ten geschafft. „Cool“ ist übrigens total out; hier findet die Jugend jetzt „Das war echt Bambus!“

2014: „Läuft bei dir“ = „Du hast es drauf“ oder „cool“

2013: Babo = Boss, Anführer

2012: Yolo = Abkürzung für You only live once

2011: Swag = beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung

2010: Niveaulimbo = Ständig sinkendes Niveau

2009: hartzen = Von Arbeitslosengeld 2 leben

2008: Gammelfleischparty = Ü-30-Party

 

Text und Fotos: Susi Donner. Quelle: Vortrag vor Ort.