Marketing Community Bodensee

Echte Bodenseeküche!

21.10.15
Startzeit: 19:00
Endzeit: 21:00

„Echte Bodenseeküche“ im Hotel-Restaurant Maier Fischbach - die Geschichte einer strategischen Neuausrichtung

 

Der „Manager der freien Plätze“ lud zur strategischen und kulinarischen Rundreise

Region und Heimat sind gerade in und die Begriffe durchaus strapaziert. Dennoch verbindet das Hotel-Restaurant Maier in Friedrichshafen-Fischbach erfolgreich Heimat und Genuss. Der Familienbetrieb legt besonderen Wert auf das, was der Bodensee und das Umland an Produkten und traditionellen Rezepten zur Verfügung stellen und geht den spannenden Weg, es mit Fantasie und handwerklichem Können immer wieder neu zu gestalten. Hendrik Fennel, Mitglied der Geschäftsführung im Hotel-Restaurants Maier und zudem MCB-Mitglied nahm die Marketer und Gäste des MCB unter dem Motto „Marketing vor Ort“ mit auf eine kulinarische und strategische Rundreise. Er zeigte sympathisch und erfrischend offen und ehrlich, warum das Unternehmen sein Geschäftsmodell auf „authentische Regionalität“ ausgerichtet hat, welchen Nutzen die Region hierbei stiftet und berichtet vom Weg der Gastgeberfamilie zur Regionenmarke. Im Anschluss verwöhnte er seine Gäste mit regionalen Gaumenfreuden.

Sternegastronomie ist die Höchststrafe

Hendrik Fennel hat eine klassische Ausbildung zum Koch und zum Restaurantfachmann absolviert, Erfahrungen in der Sternegastronomie gesammelt und ein duales Studium an der DHBW in Ravensburg aufgesetzt. „Sternegastronomie ist die Höchststrafe, die man sich antun kann, aber eine super Grundlage“, fasst er viele seiner Erfahrungen zusammen. Dann folgte für ihn der Ruf an den Bodensee. Es waren die Schwiegereltern, die einen Hilferuf gesendet hatten, und er und seine Frau beschlossen, zu helfen. „Meine Schwiegereltern hatten bereits mit Mitte 40 ihre Soll-Lebensarbeitszeit hinter sich gebracht. Sie sollten es nun ruhiger haben.“ Seit 2013 ist er Mitglied der Geschäftsleitung im Hotel Restaurant Maier in Fischbach. Er bezeichnet sich selbst als „Manager der freien Plätze.“

Ja, wir sind nett zu unseren Kunden

Das Hotel Restaurant Maier, gegründet 1936, war zunächst ein Café, dann eine Pension und schließlich ein Hotel. Heute verfügt es über 55 Zimmer, ein Restaurant und einen kleinen Saunabereich. „Wir waren nichts richtig: ja, wir sind nett zu unseren Kunden, aber wir bieten ihnen kein Programm. Ja, man kann bei uns tagen, aber halt im Frühstücksraum“, plauderte Hendrik Fennel erfrischend temperamentvoll offen und humorvoll aus dem Nähkästchen. „Es gab keine klare Positionierung.“ Das Hotel-Restaurant Maier war kein richtiges Urlaubshotel, kein richtiges Familienhotel, kein richtiges Businesshotel, kein richtiges Genusshotel. Inzwischen haben sie begonnen, dieses „Stuck-in-the-middle“ abzubrechen. Bis zu ihrer strategischen Neuausrichtung kannte man das Hotel-Restaurant Maier weil es „auf dem Weg nach Lindau auf der linken Seite“ war. Auf dem Weg nach Überlingen rechts. Oder „vom 80. Geburtstag meiner Tante.“ Oder von der eigenen Kommunion. Oder vom Gemeinderat. Die Gäste hinterlassen in Onlineportalen neutrale Kritiken: „Ich war da.“ Mehr nicht. Nicht beeindruckend. „Am Bodensee hat man ein halbes Jahr lang Gäste und ein halbes Jahr lang Nebel.“ So der spruch seines Schwiegervater, den Hendrik Fennel durchaus bestätigt: „Sturm und diagonaler Regen ist auf Sylt pure Emotion. Bei uns eine Katastrophe.“

Gäste kommen auch von weiter her

Dem allen hat das Hotel-Restaurant inzwischen die Stirn geboten. Unter anderem, mit der Positionierung: „Echte Bodenseeküche“. Und dem Bekenntnis zur Slow-Food-Philosophie. Was unter anderem bedeutet, dass die Lebensmittel mit Respekt für Erde und Umwelt und vor allem für die Lebewesen in einer fairen Wertschöpfungskette hergestellt und verarbeitet werden. Hergestellt, in handwerklicher, traditioneller Art. Ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe. Keine Fertiggerichte. Völliger Verzicht von Zusatz- und Aromastoffen, keine chemisch oder physikalisch hergestellten Zuckerstoffe…Eine Philosophie, die nur dann Wirkung zeigt und ankommt, wenn sie ehrlich gelebt wird. „Wir schaffen es inzwischen, dass unsere Gäste auch einen weiteren Weg zu uns nehmen, um bei uns zu essen“, sagt Hendrik Fennel fröhlich. Und erklärt, dass sie keineswegs mit dem moralischen Finger winken wollen. Aber eben darauf aufmerksam machen, dass es auch anders geht, als die Nahrungsmittelindustrie uns glauben machen will. Man dürfe durchaus Fragen stellen, wie „helfen Smoothies wirklich mein Leben zu retten?“Der Trend zu regionalen Lebensmitteln sei klar erkennbar. Sogar die Nahrungsmittelindustrie greife ihn in ihren Marketingmaßnahmen auf, mit Sprüchen „Wie bei Muttern“ etwa oder „nach Omas Hausrezept“. Nur glauben mag das so recht niemand. Dabei: Eigentlich würde man ja lieber vertrauen. Besonders bei den tierischen Produkten bestehe ein hohes Vertrauensbedürfnis. Aber nicht jeder sei bereit, dafür auch den angemessenen Prei zu bezahlen.

Wir werden Zug um Zug konsequent

Wie aber macht man echte Bodenseeküche? „Wenn wir die wollen, müssen wir Grenzen überschreiten. Baden, Schwaben, Bayern, Vorarlberg, die Schweiz. Deshalb müsse man alle Initiativen mit an Bord holen, die es ja eh schon gibt und Mitglied werden: Schmeck den Süden, Gutes vom See, LandZunge, Wild aus der Region, Südland Köche, Slowfood Bodensee. „Unsere Kunst muss sein, aus dem was die Region hergibt etwas zu machen, um glaubwürdig zu sein und zu bleiben. Jede Entscheidung dafür, führt zu weiteren Prozessen. Jede noch so kleine Zutat muss am Ende dazu passen. Das führe zu Kooperationen mit der Landwirtschaft der Region. Zur Wiederbelebung alter Kulturen. So werde die Region am Gaumen erlebbar. „Wir werden Zug um Zug konsequent. Das ist nicht immer einfach. Unser ganzes Verhalten, unsere Einstellung zu allem muss sich ändern. Beim Marketing ist der wichtigste Faktor die Nachhaltigkeit.“ Und was sagen die Gäste dazu? „Leckeres Essen. Erstklassiger Service. Gutes Hotel. Gutes Zimmer.

Unser Herzschlag ist Fischbach

Ihre Marketingmaßnahmen sind neben dem Einhalten von Versprechen schöne Hotelprospekte und eine gepflegte Homepage. „Wir sind jetzt mittendrin. Wir gelten heute als sympathisches Landgasthaus, mit positiven Überraschungen. Wir bieten Vollbeschäftigung das ganze Jahr über. Unsere Basis ist dennoch der Ort. Die Familien. Die Vereine. Das ist unser Herzschlag.“

 

Text: Susi Donner. Fotos: Susi Donner/Hotel Maier. Quelle: Termin vor Ort.

www.hotel-maier.de