Marketing Community Bodensee

Jahresausklang 2015 am 4. Dezember

04.12.15
Startzeit: 17:00
Endzeit: 22:30

Schöne Stunden beim Mostsommelier

„Wir verwöhnen unsere Gäste im Kopf“

Ein besonders schönes Marketing-Jahr verdient einen besonders schönen Abschluss: Es war das 45. Jahr seit Bestehen des MCB, ein Jahr mit tollen und gelungenen Veranstaltungen, das die Mitglieder in der Mosterei Keßler gesellig ausklingen ließen. Eine Lokation, die perfekt zum Themenschwerpunkt 2015 passte: „Regionale Vermarktung für Genuss und Sinne rund um den Bodensee“.

Wer ein Produkt wie den Most, der eigentlich immer als der kleine billige Bruder des Weines gehandelt wurde – als der Wein des armen Mannes – zu Ruhm und Ehre verhilft und ihn gesellschaftsfähig und edel macht, der scheint nicht nur in der Herstellung alles richtig gemacht zu haben. Da passt auch das Marketing. Aber das ist sicher nur einer der Gründe, warum sich der Marketing-Club Bodensee die Mostkellerei Keßler in Horgenzell für seinen Jahresabschluss ausgewählt hat: man sitzt dort einfach urgemütlich, Essen und Trinken sind lecker und die Geschichten, die Wilhelm Keßler rund um den Most, den es bei ihm auch in Dosen gibt, sind spannend.

Seit 67 Jahren presst die Familie Most: Wilhelm Schmid gründete die Mosterei im Jahre 1948. Ursprünglich wurde die Firma als Lohnmosterei betrieben, auf der kleinen Landwirtschaft mit Obstbau und Milchvieh. Der jetzige Inhaber Wilhelm Keßler ist ein Enkel des Gründers. Er betreibt die Mosterei seit 2001 in der dritten Generation und kann auf die vorhandene jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen und aufbauen. Doch das war ihm nicht genug, wie er seinen interessiert lauschenden Gästen verriet.

Er habe immer eine Besenwirtschaft haben wollen, aber anders sollte sie sein. Nicht abgekupfert, sondern ganz er und seine Familie, mit völlig eigenen Ideen. Das dürfte ihm gelungen sein – da in Horgenzell/Detzenweiler, mit seinen paar Einwohnern; denn wo sitzen die Gäste – rund 160 haben bei ihm Platz – schon dort, wo früher die Kühe gestanden haben? Trink- und Futteranlage, sowie der Melkstand, den er einfach mal an Ort und Stelle gelassen hat, zeugen davon. Wobei er erklärt, dass es die pure Bequemlichkeit gewesen sei, dass er die Stallanlage nicht herausgerissen habe. Wilhelm Keßler hat erfolgreich eine Ausbildung zum Mostsommelier absolviert und führte daher die Marketingstrategen nicht nur durch seinen Betrieb und seine urige Besenwirtschaft, die er mitten in den früheren Kuhstall gesetzt hat, sondern auch in die vielfältige Welt des Mostes. In seinem Vortrag rühmt Keßler „die Österreicher“, die „uns“, also „den Deutschen“ in Sachen Kulinarik und Gastronomie um zehn Jahre voraus seien. „Wenn ich auf eine Messe gehe, so auf die Messe in Wien“, betont der Mostsommelier.

Die 15 Hektar Obstanlage stellte er um, auf Most- und Streuobst. Mit der Milchviehhaltung hörte die Familie 2007 auf. Die Stallungen standen leer und die Frage tat sich auf: „Was machen wir damit?“ Also beschlossen er und seine Frau seinen Traum von der eigenen Gastronomie zu verwirklichen. Seine Frau als „Chef de Cuisine“, er als „Chef de Service“.

Bei Keßlers kann man also vom Familienfest bis zu Firmenjubiläum so ziemlich alles feiern. Die Gäste sind begeistert, und fahren für ihren Genuss tatsächlich auch mal weiter, dort hinaus ins oberschwäbische Hinterland, weil bei Keßlers alles irgendwie anders ist. „Wir verwöhnen unsere Gäste im Kopf“, erklärt der sonst so ernste Wilhelm Keßler lachend. Raucher bekommen bei ihm im Winter sogar einen Glühmost, damit es ihnen auch vor der Türe gut geht. Mit der Idee zum Glühmost seien sie am Bodensee übrigens die ersten gewesen. Most werde bei ihm heute ausschließlich aus Äpfeln mit lieblichen Aromen und in 1-A-Qualität gepresst. Das Obst geht gewaschen und verlesen in die Produktion. Relativ neu ist, dass er auch mit Bierhefe vergoren wird und damit als Apfelwein auch preislich in Richtung Wein geht. Der Aufwand, der mit dem Most betrieben wird, gleicht wie der Weinbau immer mehr eine Wissenschaft und rechtfertigt die neuen Preise.

Heute konzentriert sich der Betrieb auf den Mostobsthandel sowie auf die Erzeugung und den Vertrieb von verschiedenen Säften und Mostsorten. „Jedes Jahr will ich ein neues Produkt kreieren“, sagt er. Neben eigenem Hofladen und Besenwirtschaft liefert die Mosterei ihre Säfte und Mostsorten an etwa 80 gastronomische Betriebe im Umkreis. Zwischen Paderborn und Mailand sind Keßlers Produkte auf den Weihnachtsmärkten zu finden. Werbung mache er kaum. Seine Produkte und die damit verbundenen Emotionen, die er ihnen verpasst hat, sprächen für sich…Und davon durften sich die Mitglieder des MCB an diesem fröhlichen Fest zum Ausklang des Jubiläumsjahres persönlich überzeugen.

Präsident Jürgen Rockstroh dankte dem Gastgeber, für die intensiven Einblicke in seinen Betrieb, die die Gäste des Abends mit allen Sinnen erfahren durften. Und er dankte auch den Mitgliedern des MCB für ihr reges Interesse und die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

An dieser Stelle wünschen wir allen MCBlern und allen Freunden des MCB ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen schönen Jahreswechsel und eine perfekte Landung mit ebensolchem Start 2016.

Text und Fotos: Susi Donner. Quelle: Veranstaltung vor Ort.