Marketing Community Bodensee

Podiumsdiskussion: Regionalvermarktung - Die Rolle unserer Region im globalen Markt

06.11.15
Startzeit: 17:00
Endzeit: 22:30

Ort / AnfahrtskarteSpielbank Lindau

Verbraucher denken um: Regionalität gewinnt immer mehr Bedeutung

Prüfen, schützen, nachweisbar und glaubwürdig machen sind die wichtigsten Aufgaben

Regionalität als Gegenbewegung zur Globalisierung gewinnt immer weiter an Bedeutung. Zunehmender Welthandel, Exporte und Reisen in alle Kontinente – dieser Trend ist zwar eindeutig und unaufhaltsam. Gleichzeitig laufen aber den großen Discountern scharenweise die Kunden weg: immer mehr Verbraucher wollen vor allem Lebensmittel in der Region einkaufen. Das ist Chance und Herausforderung für die Regionalvermarktung zugleich; denn die vernetzte weite Welt und das Bewusstsein für Qualität aus der Region scheinen kein Widerspruch zu sein. Die Spielbank Lindau und der Marketing-Club Bodensee haben zur Podiumsdiskussion zu diesem aktuellen Thema eingeladen.

„Sind wir in der – zunehmend vernetzten digitalen – weiten Welt zuhause, oder doch in unserer Region? Und was bedeutet das für die Vermarktung von Produkten aus der Region?“ Mit diesen Fragen eröffnete Jürgen Rockstroh, Centermanager des Lindauparks und Präsident des Marketing-Club Bodensee die Veranstaltung.

Mit Martin Nüberlin, vom Obsthof Nüberlin und Sprecher der Obstregion Bodensee, Andreas Schauer, Geschäftsführer der künftigen Therme Lindau, Gottfried Härle, Geschäftsführer der Brauerei Clemens Härle & LandZunge GbR, Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz sowie Manuel Gohm, Geschäftsführer der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH stellten sich „die großen Fünf der Region“ wie Moderator Rolf Benzmann von Regio TV sie launig empfing, seinen und den Fragen der rund hundert Gäste.

Was die Spielbank Lindau mit Regionalvermarktung zu tun habe, erklärte Hausherr und Gastgeber Nikolaus Bartl. Denn auch die Spielbank kämpfe durch die Zunahme von Online-Spielotheken um Kunden. Und das angewandte Mittel sei es, neue, hautnahe Erlebnisse, Genuss, Qualität und eine Atmosphäre zu schaffen, die das Internet nicht bieten kann: Kulturelle Veranstaltungen, Möglichkeiten von Firmenevents, Kooperationen mit anderen regionalen Produkten, und vieles mehr. Die regionale Verbundenheit zeige die Spielbank unter anderem zusätzlich mit dem Sponsoring örtlicher Vereine. Sein Fazit gleich zu Beginn: „Nur im Verbund wird die regionale Marke Bodensee über die Region hinaus wahrgenommen und akzeptiert.“

Die Rolle in der eigenen Region

Martin Nüberlin, Landwirt in 26. Generation, erklärte, dass die Bodenseeregion zwar nur etwa zwei Prozent des europäischen Gesamtertrages an Äpfeln produziere. „Wir spielen in Europa vielleicht keine große Rolle. Wir sollten aber, nicht zuletzt dank der Sortenvielfalt und der hohen Qualität die wir anbauen, durchaus eine umso größerer in der eigenen Region spielen.“ Man müsse sich nur vor Augen halten, was ein Bodenseegeschenkekorb alles beinhalten würde. 

Geiz ist geil ist bei Lebensmitteln out

Für Gottfried Härle geht die Wertschöpfung noch weit über den Geschenkekorb hinaus. Projekte und Partnerschaften wie die LandZunge ermöglichen, dass möglichst viele regionale Produkte auf den Tellern lande. Gerade im Fleischbereich habe man beachtliche Erfolge erzielt. „Regionalvermarktung fängt in der Region an. Nur wenn die Einheimischen Regionalität leben, wächst sie und wird glaubwürdig. Geiz ist geil sei vor allem bei Lebensmitteln out. Beim Bier haben wir das Reinheitsgebot. Aber darin steht nicht, welche Qualität Hopfen und Malz haben soll. Regionalität bedeutet auch hier Sicherheit und Vertrauen.“

Therme Lindau: Ein neuer Leuchtturm am See

Andreas Schauer erklärte, warum Lindau ein 28 Millionen Euro teures Thermalbad gut tut: Nicht nur die Touristen soll und werde es anlocken. Urlaub und Entspannung direkt in der Region, die sowieso eine der schönsten überhaupt ist, ist auch für Einheimische ein Zugewinn. Warum denn in die Ferne reisen, wenn das schönste Thermalbad am schönsten Strandbad am See direkt vor der Haustüre liegt, mit unbezahlbarem Blick über den See, in die Berge? Norbert Reuter unterstützte diesen Gedanken: „Die Therme Lindau wird ein neuer Leuchtturm am See sein.“ Sein eigenes Produkt, die Energie der Stadtwerke Konstanz, war in dieser Runde vielleicht am wenigsten greifbar, er veranschaulichte die Wertschöpfung seines Unternehmens für die Region aber mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Und außerdem bleibt das Geld durch regionale Energieversorger in der Region.“

Regionalität muss von allen mitgetragen werden

Manuel Gohm beklagte den Preisverfall der Lebensmittel, der durch den Druck der großen Handelsketten sowohl in Deutschland als auch in Österreich mitverursacht sei. „Wir setzen mit unseren Ländle Qualitätsprodukten auf ausgewählte Partner und regionale Qualität.“

Allgemeines Fazit: ein allgemeines Umdenken sei spürbar. Das Bewusstsein, wie viel der Verbraucher selbst, die Region, die gesamte Umwelt davon profitieren, wachse, wenn auch die absoluten Preisfüchse vielleicht nicht bedient werden können oder wollen. Für die Vermarktung bedeute das: Botschaft, Produkt und Qualität müssen stimmen, wenn man Kunden auf Dauer gewinnen wolle. „Regionalität muss verstanden und von allen mitgetragen werden“, so Reuter. Mit Regionalität könne auch Schindluder betrieben werden, so Härle. Die wichtigsten Aufgaben der Regionalität seien in den kommenden Jahren deshalb: prüfen, schützen, nachweisbar und glaubwürdig machen der Produkte der Region.

Text und Fotos: Susi Donner, Quelle: Vortrag vor Ort.